Welse Züchten

Zucht von Welsen in der Aquaristik

Die Zucht von Welsen ist gar nicht so schwer wie es anfangs erscheinen mag. Da viele Harnischwelse aber nur zu recht horrenden Preisen angeboten werden, kann es einem durchaus mal in den Sinn kommen Welse zu züchten.

Ob das gerechtfertigt ist oder nicht, darüber kann man diskutieren. Zum einen sollten Tiere generell nicht zu Schleuderpreisen angeboten werden, da sie sonst häufig in falsche Hände geraten und beim Verlust kein Gefühl eines Verlustes darstellen.

L236 Welse vor ihrer Tonhöhle
L236 Jungwelse vor Tonhöhle

Warum aber sind Harnischwelse häufig deutlich teurer als andere Fische im Handel?

• Die Antwort ist recht simpel. Viele der erhältlichen Welse sind sehr selten und in der Natur streng geschützt.  Darüber hinaus vermehren sie sich nur unter besten Bedingungen und dann nur in recht kleinen Stückzahlen.

Das trifft natürlich nicht auf alle Arten zu, aber gerade auf viele der schönsten Varianten aus dem Amazonasgebiet.


Welse züchten – So geht es!

Für die erfolgreiche Zucht von Welsen gehört je nach Variante und Herkunft ein unterschiedlicher Aufwand. So lassen sie die meisten Ancistrus Arten auch bekannt als Antennenwelse relativ einfach züchten.

Hier für genügt es bereits ein potentielles Pärchen im Gesellschaftsbecken zu halten und die Verpaarung ist auf Dauer selbst bei suboptimalen Verhältnissen beinahe unausweichlich.


Was benötige ich für die erfolgreiche Zucht von Welsen?

Die meisten Welse sind in ihren Grundanforderungen sehr ähnlich. Zum einen sollten stabile Wasserwerte selbstverständlich sein und zum anderen sollten die Parameter zumindest nahe an den natürlichen Gegebenheiten anknüpfen.

  • Häufige Wasserwechsel, mindestens einmal die Woche sollten 50% des Wassers durch frisches Wasser getauscht werden.
  • Einseitig geöffnete Ton oder Schieferhöhlen in der passenden Größe sind eine gern genommene Brutstätte.
  • Abwechslungsreiche Ernährung – Für die Bildung von Laichansatz benötigt das Weibchen proteinreiche Nahrung.
  • Bestmögliche Wasserparameter – In ihrer Anforderung gibt es an Wasserhärte, Temperatur und Ph-Wert sehr unterschiedliche rasseabhängige Ziele daher lässt sich da pauschal keine Aussage treffen.

Die meisten Welse sind Höhlenbrüter und legen ihre Gelege gern in einseitig geöffnete Tonröhren oder Schieferhöhlen.  Hat sich erst einmal ein geschlechtsreifes Pärchen gefunden, so legt das Weibchen ihre Eier meist im Schutze der Dunkelheit in einer Höhle ab und verlässt diese meist wieder sehr schnell.

Ab diesem Punkt übernimmt das Männchen die Brutpflege und befächelt meist Tagelang das Gelege mit frischem Wasser, da die Eier permament mit sauerstoffreichem Wasser umspült werden müssen.

Erfolgt das nicht ausreichend genug, so verpilzen große Teile des Geleges und das Männchen versucht die schadhaften Eier zu fressen. Leider werden dabei auch häufig gesunde Eier gefressen.

Nach wenigen Tagen entwickeln sich die Eier zunehmend und der Vater entlässt die dann freischwimmenden Jungfische aus der Höhle. Mancher Bock beherrscht das sehr gut und manch einer wird es erst noch lernen müssen.


Welse zur Verpaarung bringen

Sind die Anforderungen an Becken, Filterung, und Wasserparameter erfüllt, so kommt häufig die Frage auf, „warum verpaaren sich meine Welse nicht?“. Die Frage ist sehr häufig nicht leicht zu beantworten, da sich Welse in verschiedenen Aquarien und bei verschiedenen Gegebenheiten unterschiedlich verhalten.

So kann eine Zuchtgruppe in Aquarium A eine eingespielte Gruppe sein und regelmäßig gute Ergebnisse liefern, wird sie dann in Aquarium B überführt, kann es oft Monate dauern bis diese Gruppe wieder so funktioniert wie es gewünscht ist.

Die Gründe hierfür können oft noch so unwahrscheinlich erscheinen. Verschiedene Lichtverhältnisse oder deutlich mehr Bewegung vor dem Becken können schon ausreichen. Aber auch eine andere Anordnung der Höhlen, Hölzer oder Bodenbedeckung können schon ihr übriges tun.

Welse durch kalten Wasserwechsel animieren

Viele der routinierten Welszüchter setzen auf einen Wasserwechsel mit deutlich kühlerem Wechselwasser, so das die Wassertemperatur im Aquarium schnell mal um 4-5°C während des Wasserwechsel sinken kann. Die Idee dahinter, könnte ein natürliches Abkühlen bei Regen imitieren. So weit zumindest die Theorie.

Meine persönliche Erfahrung spricht weder dagegen, noch dafür. Mein Wechselwasserbehälter steht in einem ungeheizten Kellerraum und das Wechselwasser ist dadurch ohnehin immer sehr viel kühler.

Das hat für mich sogar einen Nachteil, da die Wassertemperatur in den Wintermonaten eine so große Differenz aufweist, dass die Temperaturschwankung bei einem sehr großen Wasserwechsel deutlich zu heftig ausfallen würde, bin ich in sehr kalten Monaten dazu gezwungen, zwei mal die Woche Wasser zu wechseln aber dann eben jeweils nur 30-40% des Beckeninhalts.

Wollen die Welse dennoch nicht so wirklich, helfen oft deutliche Veränderungen. So liest man häufig von folgenden Animierungen.

  • Abdunkelung des Aquariums über viele Tage hinweg mit zeitgleicher Fütterung von roten Blutwürmern.
  • Wasserwechsel 3-4 Wochen lang auslassen um anschließend einen sehr grossen >80% auszuführen.
  • Über eine Woche täglich 20-30% Wasser wechseln.

Zucht von L46 Zebra Harnischwelsen

Kommen wir aber zu den anspruchsvolleren Varianten wie etwa dem Zebra Harnischwels. Dieser auch als L46 bezeichnete Wels ist einer der gefragtesten Welse am Markt, da er ein unverkennbar schönes Streifenmuster trägt und relativ klein bleibt.

Diese Variante ist darüber hinaus sehr friedlich und einfach wunderschön.

Warum aber wird der Zebra Harnischwels zu so hohen Preisen gehandelt? Nun das hängt von mehreren Gründen ab. Zum einen stammt der L46 Zebra Harnischwels aus dem Rio Xingú aus Brasilien und ist dort endemisch und vom Aussterben bedroht, vermehrt sich nicht in großer Stückzahl und laicht in der Regel nicht so häufig wie viele andere Harnischwelse.

Zebra Harnischwelse L46
Zebra Harnischwelse L46

Voraussetzungen für die Zucht von L46 Welsen

  • Sehr sauerstoffreiches und warmes Wasser. Als Minimum sollten 28C° betrachtet werden. Zur zusätzlichen Sauerstoffanreicherung haben sich Luftheber und Luftausströmer bewährt.
  • Nach Möglichkeit sehr weiches Wasser, die Zucht ist aber auch schon in hartem Wasser mehrfach gelungen.
  • Wenig Stress – Artenbecken, recht dunkel gehaltene Becken von Vorteil.
  • Geschlechtsreife Tiere beider Geschlechter

L46 – Staudammprojekt Belo Monte

Der Rio Xingú ist leider zum Opfer eines riesigen Staudammprojektes namens Belo Monte geworden das den kompletten Lauf des Flusses ändert und große Teile zu einem Stausee verwandelt. Ziel der brasilianischen Regierung ist die Gewinnung von Strom.

Unter diesen Umständen wird das bisherige Biotop von einem schnell fließendem Fluss in einen relativ sauerstoffarmen See verwandelt, was für viele heimische Arten das Aussterben bedeuten könnte. Der Wels wird darüber hinaus nicht mehr auf legalem Wege exportiert was ihn natürlich auch in der Aquaristik schwerer zugänglich macht.


Künstliche Aufzucht von Welsen

Nicht immer hat man gut funktionierende Elterntiere, manche fressen den Laich oder befächeln nicht ausreichend. Es gibt verschiedene Gründe warum eine künstliche Aufzucht erfolgreicher sein kann als die Natürliche.

Der größte Vorteil einer künstlichen Aufzucht, liegt darin, dass die Eier vor allen Fischen geschützt sind und eine möglichst effiziente Belüftung/Umspülung der Eier ohne Ermüdungserscheinungen möglich ist.

Laichring zur Welszucht
Laichring zur künstlichen Aufzucht von Welsen.
  • Beispiel: Eines meiner L144 Longfin Trios hat regelmäßig Nachwuchs, bringt aber nur einen kleinen Prozentteil der Eier durch. Beim ersten Gelege waren es 3 Jungfische von schätzungsweise 80-100 Eiern. Bei der künstlichen Aufzucht, kommen im Bestfall nahezu alle Eier durch. Du siehst, gerade für den ambitionierten Hobbyzüchter/Züchter ist diese Art der Aufzucht wesentlich interessanter.
  • Womit lassen sich Gelege künstlich aufziehen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ich bevorzuge spezielle Inkubatoren oder Laichringe.
Welsjunge nach wenigen Tagen im Laichring.
Welsjunge nach wenigen Tagen im Laichring.

Welse züchten und deren Entwicklung

Bereits nach wenigen Tagen im Laichring entwickeln sich die oben gezeigten L144 Longfin Jungwelse zu Freischwimmern. Die Abbildung zeigt die Jungwelse kurz nachdem sie sich von ihren Geschwistern aus dem Eicluster getrennt haben.

Wenige Tage später sehen sie bereits wie junge Welse aus und können dann entweder weiterhin im Laichring bleiben bis sie 2,5cm Länge erreicht haben, oder aber man setzt sie in ein Aufzuchtbecken mit den gleichen Wasserparametern wie im Zuchtbecken.

Da ich relativ gute Erfahrungen mit der Aufzucht im Elternbecken gemacht habe, sitzen meine Longfin mit im Elternbecken. Markante Ausfälle konnte ich bis dato nicht verzeichnen.

Jungwelse im Elternbecken.
Freischwimmende Welsjunge im Elternbecken.

Nach etwa 2-3 Monaten haben die kleinen etwa 2-3cm Länge erreicht und sind dann stabil genug um ihren weiteren Weg zu gehen.